Laura, Betriebsökonomin FH & Vereinspräsidentin

Die Vereinbarkeit von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten beschäftigt mich schon seit ein paar Jahren privat, wie auch in meiner Bildungs- und Berufslaufbahn.

Die Bedeutung von fair bezahlter Arbeit, Zugang zu Bildung, sowie umweltgerechten Entsorgungsmöglichkeiten ist mir während verschiedener Reisen in Südamerika und Ostafrika bewusst geworden. Insbesondere in den ländlichen Gebieten und Küstenregionen bin ich immer wieder Bevölkerungsgruppen begegnet, welche keine oder nur minimal der zuvor genannten Privilegien nutzen konnten. Dies verschaffte mir den Anreiz minderbemittelten Menschen genau diese Möglichkeiten bieten zu wollen.

Mit dem Besuch des Dorfes Msumarini in Kenia, ist die Sympathie zu den dort ansässigen Menschen und die Neugier zu den kulturellen Gebräuchen und Traditionen gestiegen.

Verbunden mit diesem Projekt verfolge ich nun eine Herzensangelegenheit.

Benedikt, interkultureller Vermittler und Mentor

Ich bin Vater von vier Kindern, Sekundarlehrer und träume schon seit meiner Kindheit von Afrika. Ich musste 43 Jahre alt werden, bis ich das erste Mal nach Afrika kam. Unterdessen verbringe ich jährlich einige Wochen in Msumarini, Kenia. Die Menschen hier rufen mich Chengo. Ich sehe, wie sie in diesem kleinen Dorf am Indischen Ozean leben. Ich erlebe hier paradiesische Schönheiten und abgrundtiefe Widersprüche.

Ich verstehe mich als Teil von Msumarini. Nicht nur, wenn ich hier im Duka oder bei den Bauern und Fischern des Dorfes einkaufe oder wenn ich am Abend mit den Männern des Dorfes Palmwein trinke. Ich möchte etwas beitragen, das dem Dorf und seinen Einwohnern guttut.

Stephan und Laura, mein Sohn und seine Freundin entwickeln während eines Aufenthalts in Msumarini eine Idee: Plastik zu Baustoff rezyklieren und daraus einfache Häuschen bauen. Das gibt den Menschen hier Arbeit und ein Dach über dem Kopf und wirkt der Plastikverschmutzung entgegen. So wird aus Träumen ein Projekt. Und jetzt geht es an die Umsetzung.

Zuena, Vermittlerin in Bildung, Sprache & Kultur

Ich heisse Zuena Baschung-Fondo. Ich bin in Mombasa, Kenia, aufgewachsen. Ich bin verheiratet und Mutter einer dreizehnjährigen Tochter. Seit siebzehn Jahren lebe ich in der Schweiz.

In meiner Kindheit gab es nur wenig Plastik und Recycling gehörte zu unserem Alltagsleben. Ich erinnere mich an das Tauschen von Altkleidern gegen Schuhe. Für eine Sodaflasche erhielt man einen Keniaschilling. Die Aludosen wurden zu Öllampen verarbeitet und die Flaschendeckel zu Musikinstrumenten. Zum Einkaufen haben wir immer eine Tasche aus Sisal oder Palmblättern mitgenommen. Mein Dorf war damals sauber und ordentlich.

Mittlerweile ist Plastik nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Überall sehe ich Plastik am Boden. Sei es beim Spaziergang am Strand oder auf dem Gemüsefeld. Sogar Tiere, die wir später konsumieren, fressen Plastik. Beim Schwimmen im Meer kommt mir Plastik entgegen.

Unser Dorf Msumarini, wo meine Familie und ich wohnen, ist grün, die Luft ist sauber und frisch. Die Menschen im Dorf leben einfach – nach ihrer Tradition und Kultur. Ich möchte meinen Mitbewohnern bewusst machen, dass wir viel weniger des schädlichen Plastiks benötigen, und dass wir den wenigen, den wir brauchen, recyceln können.

Stephan, Projektleiter Hausbau Kenia

Ich bin Servicetechniker und reise seit drei Jahren für meine Firma quer durch die Welt. Vielerorts habe ich gesehen, wie wertvolle Rohstoffe nicht oder nur teilweise wiederverwertet werden. Als ich im Sommer 2019 meinen Vater in Kenia besuchte und das Plastikproblem vor Ort mit meinen eigenen Augen sah, stimmte mich das nachdenklich. Immer wieder kam mir derselbe Gedanke: «Was kann man tun, um dieses Problem zu lösen?»

Ein paar Monate später, auf einer langweiligen Autofahrt mit Laura, kam uns die Idee. In Kenia gibt es zu viel Plastikabfälle, mit denen die Bewohner und Bewohnerinnen nichts anfangen können, zu wenig Arbeit und vielerorts sehr schlechte Unterkünfte. «Lass uns den Plastik aus der Natur holen, Arbeitsplätze schaffen und daraus den ärmsten der Gesellschaft eine bessere Unterkunft bauen!» Dass wir ein paar Wochen später tatsächlich den Mut aufbringen, einen Schritt weiter zu gehen und uns der Lösung annehmen, haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht geplant.

Nun haben wir aber einen geeigneten Produktionspartner gefunden und können endlich die Planung für das erste Musterhaus in Angriff nehmen. Als Projektleiter für den Hausbau freue ich mich enorm, wenn wir endlich das nötige Kapital aufbringen und uns dem Aufbau in Msumarini widmen können.